Während einer Reise durch Südostasien entdeckte ich erstmals Ende der siebziger Jahre das nachfolgend beschriebene Allradfahrzeug. Auf den ersten Blick ein Willys CJ 3 B, jedoch nur augenscheinlich, wie sich nach näherer Prüfung heraus stellte. Das nagelnde Motorgeräusch kam mir schon komisch vor. Schnell wurde aber klar, dass es sich um ein Lizenzprodukt des Willys CJ 3 B von Mitsubishi mit einem 4-Zylinder Diesel (2,7 Ltr. / 4DR 5) handelte.
Es bot sich damals die Möglichkeit diesen „Jeep“ mit einem Fahrer für ein paar Tage zu mieten. Die Eigenschaften des Fahrzeugs auf unbefestigten Wegen in Schlamm und Dreck während der Regenzeit waren sehr beeindruckend. Die Fähigkeiten dieser "Bergziege" blieb in guter Erinnerung! Denn erst 35 Jahre später kamen mir diese Fahrerlebnisse von damals wieder und somit das Fahrzeug in den Sinn. Kurzum: so lässt sich der Drang erklären nach einem Mitsubishi Jeep J54 zu suchen. Dann fand ich gleich mehrere Betagte in Japan. Inzwischen sind einige Exemplare des Typs J 54 unterschiedlicher Baujahre im Bestand meiner Sammlung, teilweise bereits restauriert und einige zugelassen und ohne Probleme in Betrieb.
Aufschrift Typschild: “manufactured under license from Jeep corporation USA”. Die Marke Jeep steht zum Zeitpunkt der damaligen Lizenzvergabe für das Nachfolgeunternehmen von Willys-Overland die 1953 erst von Kaiser und später von Jeep übernommen wurde.
Natürlich gibt es den Original Willys CJ3B Baujahr 1953 (ex Schweizer Armee) auch in meinem Fuhrpark. Dies verleitet bei jeder Geländefahrt dazu, den US-Originalen mit dem J54 zu vergleichen. Ein Vergleich der jedoch hinkt. Denn: Die umfassenden Modifikationen bzw. techn. Verbesserungen, insbesondere ab Produktion Nov. 1974 sind das positive Ergebnis japanischer Ingenieursarbeit und weiterhin führten vermutlich hohe Qualitätsanforderungen der dortigen Armee viele Jahre nach der Entwicklungsphase des Willys zu einem technisch weiterentwickelten Geländefahrzeug mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Denn der Typ wurde sowohl für militärische Zwecke wie auch für die zivile Verwendung geplant.
Offensichtlich, es wird beim „Schrauben“ immer wieder deutlich, wurden hohe Qualitätsanforderungen, wie z.B. die Watfähigkeit, konstruktiv umgesetzt. So besitzt z.B. die Kurbelwelle eine aufwändige doppelte Abdichtung gegen das Eindringen Wasser. Die Kupplungsglocke ist hermetisch gegen Wasser abgedichtet. Auch am übrigen Motor, Getriebe und Achsen auffällig gute Abdichtungen. Selbst nach 45 und mehr Jahren zeigt der J54 kaum eine Leckage. Äußerlich wurde jedoch relativ wenig verändert, zumindest während der ersten 20 Jahre japanischer Produktion. Optisch fällt bereits früher auf, dass die zunächst baugleiche vordere Radabdeckung, abweichend vom CJ 3 B, nach vorn verlängert wurden. Auffallend auch die eigenständigen Gehäuse der Blink- und Schlussleuchten. Der J54 hat bereits einen kleinen Wärmetauscher (Heizung), um die Frontscheibe bei geschlossenem Verdeck beschlagfrei zu halten.
Allradgetriebene Fahrzeuge waren zu der Zeit noch rein zweckbestimmt und vorrangig für Militär, Behörden, Feuerwehr, Katastrophenschutz sowie Land- und Forstwirtschaft und ev. noch als Jagdwagen gedacht, was den Verzicht auf jeglichen Innenraumkomfort plausibel erscheinen lässt. Obwohl - zumindest die Sitze sind schon besser als beim Willys gepolstert und die Federung in Verbindung mit der ab 1974 geänderten Lenkgeometrie und einem neuen, größerem Lenkgetriebe schluckt holprige Wegpassagen wirklich sehr gut. Die militärische Nutzung erklärt dann auch die 24 Volt Bordspannung mit den 2 großen Batterien unter der Motorhaube. Es gab von Mitsubishi mehrere Typvarianten in den Subserien J10 bis J50 und auch nutzvolles Sonderzubehör, wie eine starke Frontseilwinde angetrieben über Kardanwelle vom Verteilergetriebe, Unterbodenwanne, Überrollbügel und in Verbindung später sogar 3-Punkt Si.-gurte, MIL – Anhängerkupplung, etc..
Mein Fazit: Wer den Willys mag, kommt am „unkaputtbaren“ und qualitativ hochwertigen J54 nicht vorbei. Dazu absolut alltagstauglich, relativ sparsam im Kraftstoffverbrauch, breites Drehmoment, sehr gutes Startverhalten, Zweikreisbremshydraulik, Duplex-Radbremse vorn und ein verbessertes Fahrwerk.
Neben dem J54 wurde ein weiteres breites Typen-Programm mit verschiedenen Radständen, Aufbauten und Motorisierungen für den japanischen Markt angeboten. s. unter https://www.automobile-catalog.com/model/mitsubishi/jeep.html
Der Mitsubishi Jeep wurde 45 Jahre !!, von 1953 -1998 in Japan produziert und somit länger als das Original aus den USA. Europa hat er nie gesehen, zumindest nicht als Neufahrzeug. Der Mitsubishi Jeep wurde für die nationale Verwendung in Japan konzipiert.